Mit ABS gegen tödliche Motorradunfälle

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    • Mit ABS gegen tödliche Motorradunfälle

      Ismaning/Raesfeld - Beim Auto gilt ABS als selbstverständlich, beim Motorrad noch längst nicht. Erst langsam setzt sich das Interesse an dem Blockier-Verhinderer in den Köpfen der Fahrer durch.
      Wie wertvoll das ABS tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Studie - demnach können in Deutschland jedes Jahr die Leben von rund 100 Motorradfahrern durch den flächendeckenden Einbau der «Stotterbremse» gerettet werden.

      Untersucht wurden im Rahmen der Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) in Ismaning (Bayern) 200 schwere Motorradunfälle: In 8 bis 17 der Fälle hätte das ABS Unfallfolgen abschwächen oder Unfälle verhindern können. «Typische Unfälle, bei denen ABS helfen kann, sind Zusammenstöße an Kreuzungen und Einmündungen, bei denen ein Pkw-Fahrer das Motorrad übersieht», sagt Johann Gwehenberger vom AZT.

      In solchen Fällen kommen laut Gwehenberger die drei wichtigsten Effekte des ABS beim Motorrad zum Tragen: «Der Bremsvorgang wird stabilisiert, der Bremsweg verkürzt, und der Fahrer kann die volle Bremskraft ohne Angst vor einem Sturz einsetzen.» Doch bislang können sich nur die wenigsten Motorradfahrer auf die technische Hilfe im Notfall verlassen. Laut dem AZT sind nur fünf Prozent aller zugelassenen Motorräder entsprechend ausgerüstet.

      In den vergangenen zwei Jahren hat in dieser Hinsicht allerdings ein Umschwung eingesetzt. «Die Akzeptanz bei Motorradfahrern ist gestiegen», weiß Hubert Koch vom Europäischen Motorrad Institut (EMI) in Raesfeld (Nordrhein-Westfalen), der sich seit langem für das ABS im Zweirad einsetzt. «Das ist auch daran zu erkennen, dass mittlerweile fast jeder große Hersteller zumindest ein Modell mit ABS im Programm hat.»

      Mit der zunehmenden Verbreitung dürften auch die Preise für das Extra fallen. Was dann auch dazu führen könnte, dass das Interesse in einer bisher noch sehr zurückhaltenden Fahrergruppe steigt: «Im Bereich der Motorroller ist das Interesse kleiner, obwohl gerade diese Fahrer es bräuchten, weil sie oft recht ungeübt sind», sagt Koch. Die größte Hürde sei hier bislang der Preis von zusätzlichen 300 bis 400 Euro.

      Wie sehr sich das Thema ABS bei den «richtigen» Motorrädern gewandelt hat, zeigt das Beispiel Suzuki. Dort hatte man Ende der neunziger Jahre bereits einen Versuch gewagt und ein Motorrad mit ABS angeboten - die Bandit 1200 verschwand mangels Interesse bald wieder aus dem Programm. «Heute sind die Motorradfahrer eher bereit, in ihre subjektive Sicherheit zu investieren», meint Suzuki-Sprecher Bert Poensgen in Bensheim (Hessen). Daher geht man nun bei der neuen 650er Bandit auch gleich aufs Ganze: «Wir importieren nur noch die ABS-Version.»

      Dass man mit dem ABS-Angebot bei einem solchen Einsteigermotorrad Erfolg haben kann, zeigte im vergangenen Jahr Honda. Der Hersteller richtete sich vor allem an Wieder- und Neueinsteiger, als er die Modelle CBF 500 und CBF 600 auch mit dem Antiblockiersystem anbot. «Das ABS gibt es zu einem Aufpreis von 600 Euro», sagt Honda-Sprecher Aaron Lang in Offenbach. Was die Käufer nicht abschreckte: «Bei beiden Modellen liegt der ABS-Anteil über 90 Prozent.» Den aktuellen Trend bestätigen auch die Neukäufe allgemein: «Insgesamt waren unter den fünf meist verkauften Modellen des Jahres 2004 drei mit ABS», sagt Reiner Brendicke, Geschäftsführer des Industrie Verbandes Motorrad (IVM) in Essen.



      © dpa - Meldung vom 15.04.2005 10:05 Uhr

      BILD:
      Motorrad-ABS
      Elektronik sorgt dafür, dass die Räder nicht blockieren.
      (Bild: BMW/dpa/gms)
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