Angepinnt Biker Knigge

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    • Biker Knigge

      Sitten, Traditionen, Konventionen

      Wie mehr und mehr Anfragen an die Redaktion zeigen, hört man ziemlich viel über Bikergepflogenheiten, aber leider auch recht viel Schmarren.

      "Biker in Österreich" wird oftmals als Chopperzeitschrift oder Rockerblatt angesehen, aber Biker sind weder ausschließlich Chopperfahrer noch allesamt Rocker. Diese Auffassung ist typischerweise ein Überbleibsel aus einer keineswegs lang vergangenen Zeit, in der Motorradfahrer und Rocker mit Masse in einem Atemzug genannt wurden, ist aber heute so veraltet wie Karbidlampen und Breeches.

      Wenn wir von Bikern sprechen, für und über Biker schreiben, meinen wir Motorradfahrer aller (Aus-)Richtungen, die nicht nur Motorradbesitzer sind, sondern auch die Gemeinschaft unter Motorradfahrern achten und pflegen.

      Knieschleiferpiloten können genauso dazugehören wie Speedys, Tourenkilometerfresser, Geländegänger oder Easy Riders, denn einerseits ist keine Motorradmarke oder -type ausgenommen und andererseits bekommt man den "Titel" Biker mit keinem Krad mitgeliefert, auch wenn uns das die Werbung einzureden versucht.

      Vom Motorradbesitzer zum Biker wird man erst durch seine Einstellung und sein Verhalten.

      Da Biker recht freiheitsliebende Menschen sind, werden wir keinerlei Maßregeln aufstellen, wie man sich zu verhalten hat. Die meisten von uns besteigen ihr Motorrad, um dem Alltag zu entfliehen, Zwänge hinter sich zu lassen und einmal richtig durchzuatmen.
      Unserer Meinung nach ist dieses Ausbrechen durch Vater Staat ohnehin stark reglementiert, dass weitere Regeln nicht zielführend sind. Wir beschränken uns auf die Darstellung der Sitten und Traditionen.
       

      Der Gruß I

      Motorradfahrer grüßen sich. Es stellt sich vielen die Frage, wann denn wer wie üblicherweise gegrüßt wird.

      Am Motorrad sitzend, im Fließverkehr oder beim Vorbeifahren an stehenden Bikern grüßt ein Biker per Handheben und zwar zumindest dann, wenn man der Meinung ist, dass man gesehen wird und die Situation sowie die Sicherheit es gefahrlos ermöglichen.
      In einer Spitzkehre über rechts werden beide Hände am Lenker gebraucht und bei Regenschauer und böigem Seitenwind auf der Autobahn auch - obwohl schon öfters ein freundlicher Gruß das Wasser in den Boots ein wenig wärmer erscheinen ließ.

      Ob das nun einem himmelhohen Winken ähnelt oder eher einem asphalttiefem Deuten zuzuordnen ist, wird zumeist aus der Fahrhaltung resultieren. Der Stinkefinger ist übrigens kein Gruß unter Bikern und das immer wieder zu beobachtende Fußheben war vielleicht mal witzig, zieht aber mittlerweise keinen Mundwinkel mehr nach oben.

      Freilich kann das in Arbeit ausarten, wenn man bei Kaiserwetter auf Traumstraßen hunderten Bikern begegnet, aber daraus ein Problem zu machen, lohnt wohl kaum. Nur weil nicht jeder gegrüßt wird, ist das Bikertum nicht im Aussterben.

      Der Gruß II

      Das Händeschütteln unter Bikern sieht etwas anders aus als das von Politikern - und das nicht nur, weil es ehrlich ist. Dieser Bikergruß kommt aus den USA und ist seit Jahrzehnten üblich. Viele haben ein Problem damit, Bikerinnen auf diese Art zu begrüßen, was aber Nonsens ist.

      Weitere Begrüßungsrituale, wie man sie in amerikanischen Filmen und TV-Serien sehen kann, sind nicht allgemein üblich und individuell verschieden. "Geheime" Begrüßungsrituale, die unter Bikern gebräuchlich wären, sind nicht bekannt.

      Gemeinschaft

      Die Gemeinschaft unter Bikern wurde durch den Motorradboom ziemlich ausgehöhlt. Dennoch sollte es für einen Biker selbstverständlich sein, sich gemeinschaftlich zu verhalten. Es wird nicht erwartet, dass jemand auf der Autobahn von der dritten Spur auf den Pannenstreifen schneidet, weil dort ein Biker steht, der offensichtlich ein Problem hat, aber auf der Landstraße mit dem erhobenen Mittelfinger vorbeizutuckern, ist vom Bikertum Lichtjahre entfernt.

      Abgesehen davon sollte sich auch jeder an der Nase nehmen, ob er andere Biker missachtet oder gefährdet, denn Motorradfahren ist eine Sache des Könnens und somit individuell stark verschieden. Einen Fahranfänger in einer Kehre zu überholen, die er mit Mühe umeiert, zeigt nicht von Können oder Stärke, sondern neben zahlreichen Begriffen aus der geistig minderbemittelten Ecke auch vom Missverständnis des Begriffes Bikertum.
       

      Blacky

    • Kleidung und Outfit

      Unserer Auffassung nach verdienen alle, die das Gespür das Gefühl für die Gemeinschaft unter den Motorradfahrern in sich haben und diese Gemeinschaft auch achten und pflegen, die Bezeichnung "Biker". Wir halten bewusst Abstand von naiven Definitionen wie "Kutte = Biker" oder ähnlich grotesk vereinfachenden Rezepturen, die eine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Biker von käuflichen Äußerlichkeiten abhängig macht. Dennoch drückt sich bei den meisten das Bikertum früher oder später auch im Exterieur aus.

      Biker lösen sich freiheitsliebend keineswegs aus den alltäglichen Zwängen, um sich wieder in die "Kutten-Uniformität" zu pressen. Individualität zählt!

      Sieht man sich auf Bikertreffen um, kann man aber generelle Merkmale identifizieren, an denen auch unwissende Mitmenschen einen Biker erkennen. Schwarzes Leder gehört sicher dazu, aber nach der Erkenntnis, dass auch jene Motorradfahrer Biker sein können, die Gore-Tex & Co schätzen, bleibt die Kutte, diese Weste mit Bikerinsignien, die über dem Leder getragen wird, als der äußere Hinweis auf den Biker, der darin steckt.

      Die Kutte

      Der Ursprung der Kutte liegt, wie so oft, in den USA und war ursprünglich ein Levi's Jeans-Jacket mit abgeschnittenen Ärmeln. Mittlerweile etablierte sich jedoch auch die Lederweste als elegantere Version als Träger des Clubemblems. In unseren Landen kann man feststellen, dass Lederwesten eher als schlichte Kutten zum Einsatz kommen, vor allem, wenn das Colour eines Clubs mehr sagt und keiner weiteren Erklärung bedarf.

      Das Jeans-Jacket - ob mit oder ohne Kragen - ist wesentlich weiter verbreitet, auch bei Free-Bikern sehr beliebt und wird nahezu immer mit Patches diverser Clubs und Rallys sowie Biker-Sprüchen überhäuft, mit Nieten bestückt und einem Kettchen hier oder einem Pin da verziert.

      "More is beautiful" zählt vielerorts. Andere suchen sich die Aufnäher gewissenhaft aus und würden nie den Patch eines Clubs aufnähen, den sie nicht persönlich kennen oder den Pin einer Veranstaltung anstecken, bei der sich nicht waren. So "wächst" eine Kutte von Saison zu Saison und erzählt bereits nach ein paar Jahren die Geschichte ihres Trägers.

      Manche wollen jedoch nicht warten, sondern gleich wie ein Rally-erprobter Biker aussehen, nähen alles auf die Weste, was irgendwie nach Aufnäher aussieht, reißen dafür überflüssige Teile runter und unterziehen alles mit Lötlampe und Altöl einem künstlichen Alterungsprozess. Irgendwie passt der Schwindel nicht zum Bikertum. Die Kutte sollte "natürlich" wachsen, jeder Patch - auch unter Fluchen - selbst aufgenäht werden, jede Niete selbst geschlagen sein.

      Die Kutte ist ein Teil des Menschen, der darin steckt. Dieser Mensch sollte auch wissen, dass kein anderes Kleidungsstück das Bikertum verkörpert, ob nun aus Baumwolle, Leder oder Jute, mit zwei oder 200 Patches, mit Nieten oder Fransen. Um diese "Visitenkarte" zu verstehen - und zwar als Träger und Betrachter - sollten auch die Patches und Zeichen richtig gedeutet werden können.
      Dazu mehr unter "Patches".
       

    • Patches

      PatchesNahezu alle Kutten leben von den Patches, die sie zieren. Man bekommt diese gestickten oder gerdruckten Stoffabzeichen in Bikerstores, Zubehörgeschäften, auf Ralleys und mittlerweile sogar in Heimwerkermärkten und Souveniershops oder im VGU-Shop. Patch ist aber nicht gleich Patch. Vor allem, wenn es um "Insider"-Zeichen geht, trennt sich die Spreu vom Weizen - auch beim Wissen über ihre Bedeutung.

      Hand aufs Herz - wie steht's um die Kenntnis über die Bedeutung der Patches auf der Kutte?

      Jede Gruppierung von Menschen hat ihre eigenen Regeln, ihre Ethik, ihre eigene Moral, die mit den Vorstellungen anderer nicht im Einklang stehen muß. Jede Gruppierung versucht sich so auch von anderen abzugrenzen und drückt dies zB durch Sprache, Kleidung und Verhalten aus.

      Eine beliebte Möglichkeit dieser Abgrenzung sind Zeichen und Merkmale, die für Aussenstehende suchtbar, aber unverständlich sind. "Insider" sollten hingegen wissen, worum es geht. Wenden wir uns also Patches wie "D.F.F.L." und "S.F.F.H." oder "13" zu sowie einigen Standards im Klartext.

      "Dope" and "Stoned"

      Die Abkürzung "D.F.F.L." steht für "Dope Forever, Forever Loaded". Manche werden an "Easy Rider" erinnert, kann man dort doch kiffende, vollgedröhnte Biker sehen. Diese Assoziation stimmt aber nicht, denn "Easy Rider" ist ursprünglich kein Bikerfilm. Dennis Chopper und Peter Honda sitzen nur zufällig auf Panhead-Harleys, denn der Kern des Films ist der Widerstand, nicht das Biken. Sorry!

      Genauer betrachtet wird auf Bikerfesten nicht mehr konsumiert als auf Volksfesten oder ähnlichen Veranstaltungen.

      "S.F.F.H." schlägt mit "Stoned Forever, Forever Happy" in dieselbe Kerbe - immer besoffen, immer glücklich.

      Die "13" gehört ebenso in diese Rubrik. Sie bedeutet weder die Glücks- oder Pechzahl, sondern steht hier für den 13. Buchstaben im Alphabet - das "M" wie Marihuana. Dies heißt jedoch keineswegs, dass der Träger dieses Patches auch "M" in der Tasche oder im Hirn hat.

      Die ganze Welt ist ...

      "F.T.W." ist zur Abwechslung keine besoffene oder bekiffte Angelegenheit. "Fuck The World" heißt das Motto. Mit allem im Clinch zu liegen, gegen alles zu sein, keine Regeln, keine Pflichten, ist die sicher diskussionswürdige Kernaussage. Definiert man "World" als den Restglobus außerhalb des Bikertums, könnte man die drei Buchstaben zum zwölften Gebot erklären. Innerhalb der Biker-"World" hat "F.T.W." nichts verloren.

      Die Flut an Patches ist unübersehbar. "Not Future" läßt ebenso grüßen wie der Musikantenstadel. Dennoch stehen einige Sprüche eindeutig im Bikerlager, wie

      Natürlich ist das Bikertum keine bierernste Angelegenheit und auch ein Fun-Patch wie "Show Your Tits!" tut gut, aber wenn bereits nach zwei Monaten kein Platz mehr auf der Kutte ist, hat's was!

      Clubs, Rallys, Aktionen

      Schlußendlich bieten u.a. auch Veranstaltungen eine Möglichkeit, die Kutte zu schmücken. Ein Patch der Rally in Dingsda und ein Freundschaftspatch des MC XY sollte jedoch nur auf der Kutte landen, wenn man die Veranstaltung besucht hat und den MC kennt. Die Methode "Bring mir einen Patch mit!" füllt zwar die Kutte, geht jedoch an der Absicht vorbei. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass mir die Rally gefallen haben muss, schließlich nähe ich mir ja nicht jeden Sch... auf meine Kutte.
       

    • Hollister und 1%

      Die meisten wissen, dass es das Bikertum betrifft. Die Idee, es habe mit Hollister, jenem kleinen Städtchen in Kaliforniern, zu tun, kommt der Wahrheit schon näher, aber mit der "A.M.A." trifft man schließlich ins Schwarze.

      Gehen wir zurück ins Jahr 1947 und besuchen wir am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, ein kleines Nest names Hollister im amerikanischen Bundesstaat Kaliforniern. Dieser Tag bedeutete den Leutchen jenseits des großen Teiches schon immer eine ganze Menge und wurde dementsprechend gefeiert. Manche von ihnen fuhren auch schon (oder gerade) 1947 Motorrad und unter diesen Motorradlern in Kniehosen und Sportsakko gab es auch schon ein paar (damals in den Augen der Bürger) schwarze Schafe, die aber laut eigenen Aussagen nur eines wollten: "Havin' a good time, blowin' off steam after a hard day at work!".

      Der BoozeFighters MC

      Die Geschichte beginnt eigentlich schon ein Jahr früher, ebenso in Kaliforniern, als ein Club namens "The 13 Rebels", der schon 1937 gegründet wurde und heute noch existiert, nach El Cajon fuhr, um ein Motorradrennen zu sehen. Unter ihnen war Willy "Wino" Forkner, dem das Zusehen zu fad wurde. So durchbrach er mit seiner Indian den Begrenzungszaun und nahm ungefragt am Rennen teil, das er bis zu einem Ausrutscher auch anführte. Er hätte es wahrscheinlich gewonnen, aber einer der Streckenposten zog während der Startversuche das Zündkabel ab, um zu verhindern, daß der "Rebel" weiter störte.

      Die Zuseher hatten jedenfalls ihren Spass dran, nur die Vertreter des Veranstalters, der "American Motorcycle Association" (A.M.A.) fanden es nicht so komisch und Willy kam hinter Gitter. Da sein Club auf Distanz gegangen war, gründete er daraufhin mit ein paar Bros in L.A. einen neuen Club, den "BoozeFighters MC".

      Hollister - Licht in einem Mythos

      Die BoozeFighters hatten Spass im Sinn. Es war (und ist!) ein Club, für den "having fun" das Wichtigste ist. So fuhren die Chapter aus L.A. und San Francisco - zu diesem Zeitpunkt gab es ein weiteres Chapter in San Pedro - am 4. Juli nach Hollister zur drei Tage dauernden "Gypsy Tour", einer großen A.M.A.-Biker-Rally, zusammen mit etwa 4.000 weiteren Bikern.

      Der Beginn der Story könne sich so darstellen:
      Ein BoozeFighter stand in "Johnny's" Bar, sah einen Bro vorbeiprötteln und winkte ihn her. Der dachte, er solle in das Lokal fahren und schon stand sein Bike vor der Theke. Er bekam sogar sein Bier von "Johnny" serviert. Die Menge reagierte jedoch mit Empörung und er wanderte hinter Gitter. Ebenso ein Bro, der seine Triumph durch die Menge zirkelte, um zu sehen, was passiert war.

      Was dann folgte - es ist bei weitem nicht nur dem BoozieFighters MC zuzuschreiben - ging als "Hollister Bash" in die Geschichte ein (und wurde mit Marlon Brando und Lee Marvin in "The Wild One" - wenn auch wenig authentisch verfilmt).
      Wahr davon ist nur ein Bruchteil. Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Medien Nachrichten zu kreieren, denn die Zeit war ruhig, es regte sich zu wenig. Also wurden die Tatsachen etwas "ausgeschmückt".

      Das "Life"-Magazin berichtete zB. von "[...] 4,000 members of a motocycle club ... racing their vehicles down the main streets and through traffic lights, they rammed into restaurants and bars, breaking furniture and mirrors [...] police arrested many [...]". Dazu kam das Bild eines Bikers auf einer Harley, der aus einer Bierflasche trank, eine zweite in der Hand hatte und das inmitten zahlreicher weiterer leerer Dosen und Flaschen. Insgesamt 115 Worte, die jedoch zehntausende Biker zu gewalttätigen Säufern stempelten.

      Wahr ist, dass der Schaden minimal war und bezahlt wurde, niemand aus der Bevölkerung zu Schaden kam und zB. die Ampeln, die überfahren wurden, sich auf Straßen befanden, die eigens gesperrt worden waren!
      Das Foto des Besoffenen auf dem Motorrad war gestellt und zeigte ein bezahltes "Model". Die 38 Verhaftungen wurden größtenteils wegen "drinking alcohol in public" und "indecent exposure" - also unsittliche Entblößung (Pinkeln in der Öffentlichkeit) - durchgeführt.
      30 Polizisten (!), die zu den sieben (!) örtlichen Beamten angefordert wurden, beendeten übrigens diesen "Aufruhr von Tausenden Bikern".

      Die A.M.A, eine Art Motorrad-Verband mit einem Touch Interessensvertretung, nahm sich der Sache an und war um die Wiederherstellung des guten Rufes der Biker bemüht. Um sich - und damit die Masse der Biker - von den "Ausschreitungen" in Hollister zu diestanzieren, bezeichnete die A.M.A. die "Troublemaker" unter den Biker als "[...] the 1 per cent deviant fringe that [...] tarnish[es] the public image of both motorcycles and motorcyclists", also etwa als "das eine Prozent einer von der Norm abweichenden Randgruppe, die das öffentliche Ansehen der Motorräder und Motorradfahrer beflecken".

      Viele Quellen sprechen nun davon, dass sich einige US-Clubs gerade zu diesem einen Prozent zählten und das Symbol in einer Raute als Patch führten. Sie bezeichneten sich selbst als "One Percenters" oder "Outlaw Bikers", was aber nichts mit Kriminalität zu tun hatte. Ursprünglich bezeichnete man als "Outlaws" jene Clubs, die nicht zB. über die A.M.A. Mitglied in der "Federation Internationale Motorcycliste" (FIM) waren und sogenannte "Outlaw-Races" veranstalteten, die nicht dem Regelwerk (und den Abgaben) der A.M.A. unterworfen waren.

      Eine andere Quelle beschreibt den Weg zum "One-Percenter" etwas anders.
      Nach dem Film "The Wild One" von Stanley Kramer (1954) fanden sich derart viele von Marlon Brando und Lee Marvin angesprochen, dass es zu einer wahren "Outlaw-Mania" kam. Sogar das Logo des Colours, das Brando im Film trug, wurde von einer "Gang" in Chicago kopiert, die Handlung des Films wurde oftmals Realität. Bald war es nicht mehr möglich, die "bad bad Bikers" von den "good bad Bikers" zu unterscheiden und die A.M.A. schob in den Sechzigern alles Negative auf das eine Prozent. Die "bad bad Bikers" wählten nun "1 %" in einer Raute, um sich zu differenzieren. Ein wahrer Krieg entbrannte, wer den 1-%-Patch tragen durfte.

      Eine weitere Erklärung, vollkommen abseits der Presseberichte und furchtbar gescheiten soziologischen Arbeiten über die Biker-Szene drang ebenfalls an mein Ohr: "1 %? Das bedeutet doch, dass ein Prozent der Bevölkerung Motorrad fährt", erklärte mir ein langjähriger Member eines der ältesten MCs Österreichs. Zuerst betrachtete ich diese banale Erklärung wenig, bis ich wenig später auf die Existenz der angeblich "ersten" Einprozenter stieß. Es waren US-amerikanische "Biker", die schon vor dem 2. Weltkrieg dieses Logo - wenn auch ohne Raute - auf ihren Jacken und Sweatern trugen, um zu zeigen, dass sie sich zum "Biken" bekennen.

      Was es heute bedeutet, ein "One Percenter" zu sein, ist nicht allgemein gültig zu erklären, denn zu unterschiedlich sind die Auffassungen. In den USA, dem Ursprungsland des Symbols, findet man den Patch relativ selten. Hier zu Lande findet man ihn auf unzählige Kutten genäht, sei es als Bekenntnis zum Bikertum, zur Erinnerung an Hollister, als Aushängeschild des "Outlaws", als Bezeugung der Zugehörigkeit zur Szene oder auch als "Nachahmungstäter". Des rautenförmigen Patches würdig sind letztere angesichts der Geschichte des Symbols sicherlich nicht.

      Blacky

    • Clubs - Die Anfänge

      Nicht zuletzt wird der Club oft als "Familie" bezeichnet, was jedoch nichts mit diversen gut gehüteten italienischen Strukturen zu tun hat, sondern eher als kleinste Einheit verstanden werden soll.

      Menschen neigen als soziale Wesen grundsätzlich zur Gruppenbildung. Motorradfahren ist da keine Ausnahme, kann aber auch ein sehr individuelles Vergnügen sein. Alleine zu fahren hat gewisse Vorteile, die durch eine Gruppe erst aufgewogen werden, wenn Harmonie herrscht, vom Fahrstil angefangen über Routenvorlieben bis zu Pausenbedürfnissen und Übernachtungswünschen. Gewisse Vorgaben in der Wahl der Mitglieder können in Bezug auf das Zusammenwirken und die Einigkeit im Club also durchaus Sinn machen.

      Wie so oft liegen die Wurzeln der Sache in den USA. Noch vor dem 2. Weltkrieg gab es dort eine Clubszene, die ihren Ursprung im privaten Motorradsport hat, also nicht im offiziellen Rennsport. Damals gab es eine Vielzahl "Privatfahrer", die fast jedes Wochenende ihre Bikes rennsportmäßig im Oval, über Speedtracks, Berhänge hoch oder einfach über Straßenkurse trieben. Gegenseitige Unterstützung war nötig, um die Bikes auf den Einsatz vorzubereiten, um an Teile zu kommen, Reparaturen durchführen zu können oder auch nur wieder nach Hause zu kommen.

      Diese "Teams" trugen "Rennanzüge" unterschiedlicher Farbe. Mit diesen (Renn-)Farben erklärt sich die Herkunft des "Colours" als Club-Ident und "Farben" eines Clubs.

      Zu dieser Zeit herrschte in der Alpenrepublik ziemlich tote (Leder-)Hose. Nur hie und da fuhr ein instandgesetztes Krad aus dem Krieg oder ein Vorkriegsrelikt. Zu Beginn der 1950er sah man schon mehr Motorradfahrer auf den Straßen, die Industrie war in Schwung gekommen. Bei der noch immer geringen Verkehrsdichte kannte man einander. Man verabredete sich regelmäßig zu Ausfahrten und bildete Clubs, um Ersatzteile und Tipps auszutauschen, die Puchs, Victorias, Triumpfs, BMWs etc. zu "tunen" und nach einer harten Arbeitswoche einfach Spaß zu haben. Die Ausfahrten arteten dabei regelmäßig zu Rennen aus, wobei es wenige Bikes wirklich deutlich über 100 km/h schafften, was bei den Straßen aber auch reichte. "Farben" gab es keine, dafür aber Clubabzeichen (Patches).

      Dies setzte sich in den 1960ern weiter fort. Bei all den englischen Bikes war man oft schon beim (Zoll-)Werkzeug auf Hilfe angewiesen. Die Clubs trugen größtenteils die Namen der Marken, denen sie sich verschrieben hatten und schwarze Lederjacken kamen auf. In den späten 1970ern und frühen 1980ern trat diese "technische Abhängigkeit" zurück. Manche Clubs wandelten sich und Neugründungen hatten andere Motive, die nicht mehr so isoliert von Amerika zu sehen waren.

       

      Blacky

    • Clubs - MC, MFG, MSC, MST, MF, MRR, ...?

      Unter der Vielzahl von Möglichkeiten zum Zusammenschluss gibt es zuerst einmal den Inbegriff einer Vereinigung von Bikern in der Motorradszene, den MC.

      "MC" bedeutet keineswegs "Motorradclub", "Motorclub" oder so ähnlich, ein MC ist ein Motorcycle Club.

      MCs unterscheiden sich grundsätzlich von anderen Vereinigungen von Bikern. Es sei nur angemerkt, dass die Entstehung, das Wesen und Sein eines MCs anderen, ungeschriebenen Regeln unterliegt und dass zB. die Gründung nur nach Absprache mit der ÖBU erfolgen sollte. Ich würde sogar etwas weiter gehen und mich generell vor der Gründung irgendeiner Motorrad fahrenden Vereinigung informieren, welche Clubs es in der Umgebung bereits gibt.

      Arten bzw. Typen von Motorrad fahrenden Vereinigungen gibt es neben dem MC jedoch eine Menge mehr: da gibt es die MFG (Motorradfahrgemeinschaft), den MSC ( Motor(rad)sportclub, den MST (Motorradstammtisch), die MF (Motorradfreunde), die MR oder MRR (Motorradrunde), die MIG (Motorrad-Interessensgemeinschaft), den CC (Chopperclub) oder den BC (Bikerclub) und noch einige mehr.

      Mit CC kann jedoch auch der Custom- oder Cycle-Club gemeint sein, mit MCC kürzen sich auch Motorcycle Clubs ab und der MRC geht in Richtung Motorradclub oder auch Motor-Racing Club. Zu vielen dieser Definitionen gibt es natürlich noch Varianten.

      Was unterscheidet eine MFG von einem MSC oder einem MST?

      Dies klar und eindeutig festzulegen, wäre anmaßend und ist schlicht unmöglich. Die Gemeinschaft in einer Motorradfahrgemeinschaft ist einzig wegen der Bezeichnung sicher nicht besser als in einer Motorradrunde, die Mitglieder eines Motorradstammtisches sitzen keineswegs nur im Clublokal und Motorradfreunde lieben ihr Bike nicht mehr als die Mitglieder eines Motorradsportclubs.

      Dennoch versuchen die meisten Clubs, ihre grundlegende Richtung durch die Wahl des Typs auszudrücken, so sind zB. MSCs eher sportlich orientiert, fahren zumeist dementsprechende Bikes und werden auch am Ring zu finden sein, was bei einem Chopperclub nicht zu den zentralen Interessen gehören wird.

      Über die Jahre hinweg kann sich natürlich das Erscheinungsbild, das Gefüge, der Interessensbereich eines Clubs ändern, selten aber sein Name. So beantwortet sich die Frage nach der Namensentstehung zumeist aus der Geschichte und nicht immer aus dem derzeitigen Erscheinungsbild.

      Bei fast allen Bike-Events, sei es nun ein Treffen, eine Party, eine Sportveranstaltung etc., ist es ziemlich wurscht, ob man einem Club angehört, und wenn, welcher Art Club, solange man gewisse Grundregeln beachtet, die zum Großteil schon im gesunden Menschenverstand zu finden sein sollten.

      Wie bereits angedeutet, laufen die Dinge bei einem MC etwas anders. Jetzt gibt es aber MFGs, MSCs usw., die man "für einen MC halten könnte". Wie das?

      Grundsätzlich ist das, was innerhalb eines Clubs passiert, Sache seiner (Führungs-)Mitglieder. So gibt es Clubs, die sich - zum Teil vor vielen Jahren - zwar nicht als MC gründeten, aber clubintern die ungeschriebenen Regeln integrierten, in die Szene wuchsen, sich einen Platz in der Szene erarbeiteten und heute als Club akzeptiert werden, die das Bikertum leben. Manche entschließen sich nach einiger Zeit auch, ein MC zu werden, was natürlich nicht aus einer Laune heraus passieren kann und unter Einbeziehung der ÖBU.

      Andere wiederum ehren MCs und die Tradition dadurch, dass sie nicht Regeln, die sie nicht erfüllen können, beugen, umgehen oder einfach ignorieren, nur um MC zu werden, sondern aufrecht den Weg eines anderen Zusammenschlusses gehen und in allen anderen Belangen das Bikertum leben.
       

      Blacky

    • Der MC - Gesetze? Regeln? Ethos!

      MC, Motorcycle Club - für manche Biker der Lebensinhalt, für andere ein rotes Tuch, für einige ein Wunschtraum, den meisten Normalbürgern ziemlich egal.

      Zu welcher der genannten oder auch anderen Gruppe man sich auch rechnet, das Wissen über das, was einen MC ausmacht, ist dünn gesät, zumeist lückenhaft oder sogar falsch.
      Wir danken unseren Co-Autoren aus den Reihen der Österreichischen Biker-Union ÖBU, die uns dabei unterstützen, Klarheit in die Sache und Wissen unter's Bikervolk zu bringen, denn eigentlich geht es dabei nicht nur um MCs.

      Zuerst müssen jene enttäuscht werden, die nun ein Festschreiben der ungeschriebenen Gesetze der Gemeinschaft von Bikern erwartet haben. Der "Knigge" soll kein Ausbreiten von Szene-Interna sein, sondern grundlegende Informationen vermitteln.

      Es gibt keine festgeschriebenen Gesetze!

      In der Gemeinschaft der Biker gibt es eine allgemeine Auffassung von OK und nicht OK, die es nicht nötig hat, niedergeschrieben zu werden. Wie diese "Regeln" über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind, muss auch jeder, der sie kennen lernen will, hineinwachsen und ein Gefühl dafür entwickeln, sie leben.

      Das Besondere daran ist, dass man sie überall wiederfindet, wo es Biker gibt, was nicht zuletzt ein Verdienst internationaler MCs wie dem Hells Angels MC ist, der sogar die gesamte Welt umspannt. So wird es für ein Mitglied eines MCs nicht schwer sein, sich in einem MC am anderen Ende der Welt zurechtzufinden.

      Wir sprechen hier also nicht über Gesetze oder Regeln und schreiben sie schon gar nicht fest, es geht eher um MC-Ethos.

      Ethos ist die von sittlichen und moralischen Normen geprägte verantwortungsbewusste Grundhaltung eines Einzelnen oder einer Gruppe. Diese Grundhaltung bildet sich durch Gewohnheit und Übung, die Geltung der Normen stützt sich auf bewährte Traditionen; sie müssen nicht rational begründbar sein.

      MCs werden oft mißverstanden, ja sogar angefeindet. Es geht um die Grundhaltung, um das, wonach man sich aus dem Bauch heraus richtet - nicht um das Zurückdrehen des Gasgriffes in der 70er-Zone, weil rechts ein weißer Blaulicht-Golf steht, obwohl man noch weiter 120 fahren möchte. Es geht auch um Verantwortung für das Bikertum. Die, die diese Grundhaltung wirklich leben, wissen um die Verantwortung, sei es nun bewusst oder unbewusst. Und es geht um bewährte Traditon, die verständlicherweise nicht mit einem Schlag umgestoßen werden kann.

      Was schließlich unbedingt berücksichtigt werden muss, ist, dass es sich um die Grundhaltung einer Gruppe handelt. Keiner wird zum Eintritt in diese Gruppe gezwungen und wer diese gewachsene Grundhaltung der MCs nicht akzeptiert, wird auch nicht dazugehören.

      Änderungen? Klar unterliegen moralische Normen einem zeitlichen Wandel, gewisse Vorstellungen aus vergangenen Jahrhunderten haben sich ja auch überholt. Dieser Wandel muss sich aber stets bewähren und wird erst dann diese Grundhaltung, den Ethos, beeinflussen.
       

      Blacky


      Es gibt Uns seit Anbeginn der Zeit und Wir werden noch sein, wenn der letzte Stern vom Himmel fällt!

      Immer schon gab es Menschen, die nicht nur von zwischenmenschlichen Werten sprechen wollten, sondern gar nicht anders konnten, als diese Werte auch zu leben. Es geht hier um so einfache Ideale wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, und all die anderen ideologischen Werte, welche in dir drängen aufrichtig gelebt zu werden.

      Das ist aber alleine unmöglich und in unserer Gesellschaft fast unmöglich geworden. Doch dann, oft schon in frühen Jahren, erkennst du Menschen, die ebenso handeln, denken und fühlen - und auch gerne Motorrad fahren.

      Eine lange Entwicklungsphase beginnt und ständiges Miteinander fordert seinen Tribut oder fördert die Gemeinschaft. Nach langer Zeit und der absoluten Sicherheit Menschen gefunden zu haben, mit denen man eins sein kann, ist die Basis für einen MC geschaffen.

      So versteht es sich nun fast wie von selbst, dass Member, welche schon jahrelang in einem MC leben und ihr weiteres Leben auch nichts anderes wollen, sehr wohl darauf achten, diese Szene sauber zu halten und sich nicht von ein paar Möchtegerns auf ihrer Ideologie herumtrampeln lassen.

      Jeder MC schreibt seine eigene Geschichte. Es gibt nicht viele Menschen, die von sich behaupten können gemeinsam Geschichte zu leben.

      Hömal, Pres. Hells Angels MC Vienna

    • MC-Gründung - Warum ÖBU?

      "Mia moch'n an Em-Tse", spricht der Rudelführer als logischer Präsi.
      Beifallgeheul, noch eine Runde Klare. Schulterklopfen. Treueschwüre. Harte Ledermänner Arm in Arm bei "Born to be wild". Der Name ist bald gefunden, als Statuten wird "Easy Rider" einstimmig angenommen. Das Colour entwirft der Secretary, weil der konnte schon in der Schule am besten zeichnen. Jeder bekommt noch ein Bier zur Taufe übergegossen und fertig ist ein neuer MC. Gründung abgeschlossen, auf geht's Bua'm!?

      Oder:
      Herr Direktor, Herr Doktor und Herr Kommerzialrat begeben sich als Proponenten des MCs in spe nach eingehendem Brüten über den Anforderungen des Vereinsgesetzes von 1951, BGBl 1951/233 (zuletzt geändert mit BGBl 1993/257) und einstimmigem Beschluss zum Postamt und expedieren persönlich und eingeschrieben die Bildungsanzeige des neuen MC-Vereins (mit Statuten in dreifacher Ausfertigung) an die Sicherheitsdirektion des Landes. Erfolgt binnen sechs Wochen keine Untersagung, kann konstituiert werden und ein neuer MC ziert die Szene. Bescheid folgt. Glückwunsch!?

      Keiner dieser beiden Fälle wird vermutlich je passiert sein, irgendwo zwischen den beiden Extrema werden sich jedoch zahlreiche "MCs" finden bzw. plant sich die eine oder andere lose Verbindung von Bikern in Zukunft als "MC" anzusiedeln. In beiden Fällen mag am Ende wirklich eine Motorrad fahrende Vereinigung stehen ... aber kein MC!

      Ein Motorcycle Club ist mehr als nur ein Name, mehr als nur eine Bezeichnung. Das äußere Erscheinungsbild prägen natürlich Bikes und auch diverse, traditionelle Accessoires, einen MC machen aber weder Colour noch Harleys aus. Es geht um die Ideologie, der sich die Member verpflichten. Motorradfahren ist dabei gemeinsames Interesse.

      Ein MC schafft so eine (Lebens-)Gemeinschaft mit einer Dichte, die anderswo kaum zu finden ist. Dieser Zusammenhalt geht weit über reine Motorradbelange hinaus.

      In Kommentaren zum Vereinsgesetz liest man zB., dass einen Verein im Sinne des Vereinsgesetzes von 1951 zu gründen heißt, "[...] sich zur Verwirklichung eines ideellen Zweckes, für längere Zeit und in besonders organisierter Form zusammenzutun. [...] Ein solcher Zusammenschluss weist eine in seinen Statuten festgelegte innere Ordnung auf, nach welcher der gemeinsame Wille gebildet wird, zu besorgende Aufgaben verteilt werden [...]" usw.

      Einem MC nicht unähnlich, aber mit einem gravierenden Unterschied: Die Ideellen Ziele knüpfen im Falle eines MCs sehr eng an den Biker-Ethos, den wir im Kapitel "Der MC - Gesetze? Regeln? Ethos!" angesprochen haben. Die Ziele eines MCs werden nicht nur durch ihn selbst erdacht, seine Gemeinschaft hat auch eine Aufgabe in der Tradition der Bewahrung des Ethos als jene verantwortungsbewusste Grundhaltung, die auf der gesamten Welt analog gelebt wird.

      Eine Gemeinschaft zu bilden, die das verinnerlicht, ist nicht ganz einfach. Klar ist, dass es mit zunehmender Anzahl der Clubs immer schwieriger wird, diesen Ethos, die Werte des Bikertums gesichert weiterzutragen.

      Die Österreichische Biker Union (ÖBU) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegenzuwirken. Ein MC soll der Inbegriff, das Urbild des Bikertums sein. Die Gründung eines MCs sollte nur unter Erfüllung von grundlegenden Voraussetzungen und nach einer Zeit der Probe erfolgen, ob dieser Zusammenschluss auch die Ideologie weitertragen kann.

      Welche der grundlegenden Voraussetzungen dafür nötig sind, kann bei jedem der Ansprechpartner in der ÖBU erfragt werden. Facts alleine reichen natürlich nicht, denn wie sich in der Probezeit eines Clubmembers herausstellt, ob er zum Club passt, muss sich auch ein MC in spe einer Bewährungszeit unterziehen. Schmeckt nicht, ist aber so.

      Warum zählt nun eine Entscheidung der ÖBU über den Eintritt oder die Nicht-Aufnahme in diese Gemeinschaft? Aus Respekt für die Erfahrung mit dem, was im Zentrum unser aller Interesse beseht: zum Zweck der Weitergabe und Sicherung unseres Ethos, dem Ethos des Bikertums. Wer sich dem nicht anschließen will, sollte auch keinen MC gründen, will auch eigentlich keinen MC gründen, sondern nur so heißen. Warum auch immer ...

      Blacky

    • MC-Gründung

      Der Weg von einer Motorrad fahrenden Gemeinschaft zum MC

      Wir haben großen Wert darauf gelegt, einen allgemeinen Anhalt zu recherchieren und darzustellen. Regionale Unterschiede kann es jedoch geben. Zumeist weiß der nächste MC Genaueres, in jedem Fall kennen aber die Bundeslandsprecher der Österreichischen Biker Union (ÖBU) die Einzelheiten.

      Zuerst zu dem, was vorhanden sein sollte, bevor man mit der Gründungsabsicht an die Öffentlichkeit geht:
      Es muss die im "Knigge" beschriebene Gemeinschaft bereits bestehen, geprägt vom Wissen, worum es in einem MC geht und der Überzeugung, diesen Weg gehen zu wollen. Wer den Schnellsiedekurs "MC in zwei Wochen" belegen möchte, ist bei der ÖBU an der falschen Adresse. Dieses Wissen entsteht nur durch Szene-Erfahrung.

      Welche "sachlichen" Anforderungen werden an so eine Gemeinschaft gestellt?

      Zumindest sechs überzeugte Leute, die wissen, worum's geht und was sie tun, mit - banal klingend, aber hier nicht grundlos vermerkt - Motorradführerschein und eigenem Bike auf der Straße fahrend! Dreier-Grüppchen aus Autofahrern und ewigen Bastlern, die nie zum Fahren kommen, sind nicht glaubhaft. Aus Erfahrung rächt es sich früher oder später.

      Ein gewisser Ernst in der Absicht wird auch nachgewiesen, dass der MC in spe einen eigenen Treffpunkt hat, wohin er sich ungestört zurückziehen kann, also kein Stammtisch beim Wirt und auch nicht die Küche der elterlichen Wohnung. Von der Mühe, einen geeigneten Clubraum zu finden, können einige MCs ein Lied singen. Die Anstrengungen bei der Suche und auch der Einsatz bei der Adaptierung und Gestaltung eines Clubraums oder -lokals prüfen natürlich die Gemeinschaft und wer es geschafft hat, beweist seine Einigkeit einmal mehr.

      Es dürfte nun einige Zeit in dieser Gemeinschaft vergangen sein und der Schritt an die Öffentlichkeit wäre möglich. Wie bereits beschrieben, müsste so ein angehender MC bereits über einige Szene-Erfahrung und gewachsene Kontakte verfügen. Der Gründungswille ist also zumeist ebenso bekannt wie die Biker, die dahinterstehen. Andernfalls sollte man den Kontakt suchen, übrigens ohne Colour am Rücken! Aus dem Nichts gleich mit Colour aufzutauchen und Akzeptanz zu erwarten, ist anmaßend und naiv.

      In jedem Fall ist der Kontakt zu benachbarten MCs - ÖBU oder nicht - wesentlich. Sucht man den Zugang über die ÖBU-Bundeslandsprecher - was auch möglich ist, wenn man später nicht der Union beitreten möchte - wird auch die ÖBU bei Bedarf versuchen, diesen neuen Club kennen zu lernen. Eine Möglichkeit wäre ein Besuch und auch die Einladung zu einer der viermal jährlich stattfindenden ÖBU-Bundeslandsitzungen. Die ganze Sache beruht auf Vertrauen, soll wachsen und braucht somit ihre Zeit.

      Inzwischen sollten auch Name und Colour des zukünftigen MCs entworfen werden (übrigens bevor der Sticker beauftragt wird!). Der Entwurf wird in der Szene bekannt gemacht, zB. über die ÖBU und natürlich auch über "Biker in Österreich". Es ist eine Sache des Respekts gegenüber den bestehenden MCs, Ähnlichkeiten im Namen bzw. im Colour zu vermeiden.

      Auch diverse Farbkombinationen gehören dazu. Ein sachlicher Grund dafür ist zB., dass Szene-Fremde stets auf das achten, was auffällt: "Ein ganz lautes Motorrad hatte der und so ein Abzeichen mit einem Flügel am Rücken und die Schrift war weiß-rot!" Wer kapiert hat, worum es geht, wird den Einspruch eines bestehenden MCs respektieren.

      In dieser Gründungsphase fällt besonders den regionalen MCs wesentliche Bedeutung zu, ob in der ÖBU oder nicht. Die ÖBU kann zwar vermitteln, die Entscheidung liegt jedoch bei den umliegenden MCs.

      Die Ausnahme: Ein ausländischer MC möchte ein Carter bzw. Chapter in Österreich gründen. In diesem Fall entscheidet die Gemeinschaft der österreichischen MCs.

      Besteht die Zustimmung zur Gründung und auch keine Einwände gegen Name oder Colour von anderen Clubs, folgt für den MC in spe eine "Hangaround"-Zeit. Ob mit Ärmelpatch oder ohne und wie lange ist verschieden, gehen wir jedoch von einem Jahr aus. In diesem Jahr wird Mitarbeit und Präsenz in der Szene erwartet wie auch eine Weiterentwicklung der Gemeinschaft. Eine Möglichkeit wäre zB. ein Clublokal zu schaffen, wenn es noch keines gibt.

      Bewährt sich der Club, folgt danach der Übergang zum "Prospect"-Club. Auch hier sind benachbarte MCs federführend. Es sollte wiederum ein aktives Jahr mit Interesse an der Gemeinschaft folgen, kein Maulwurfdasein. Während dieser Zeit darf der Club entweder seinen Ärmelpatch führen oder den "Bottom Rocker" seines Colours und "MC" - auch das wird verschieden gehandhabt.

      Die Aufnahme als MC mit Full-Colour ist nach der Prospect-Zeit der letzte Schritt. Ein neuer MC ist on the road, was auch Österreichweit bekannt gemacht wird! Von ihm wird aber auch weiter aktive Mitarbeit in der Szene erwartet, besonders, wenn er sich zum Eintritt in die ÖBU entscheidet. Dies steht jedem MC frei, der gewisse Anforderungen erfüllt.
       

      Blacky

    • Colourträger - eine Frage der Lebenseinstellung

      Colourtragen ist eine Lebensphilosophie und kein Kasperltheater

      Die colourtragende Szene erscheint vielen ebenso interessant wie unbekannt.
      Wie geht das?
      Was dürfen wir tun?
      Was beachten?
      Wie werde ich wo Mitglied?

      Das Thema ist genauso alt wie heikel. Seit Jahrzehnten gilt in den USA ein Biker mit Colour zum harten Kern der Bikerszene. Nicht erst durch die 1%-Story und Hollister sind Colourträger dort in die Outlaw-Ecke gestellt.

      Bei uns ist nicht ganz so krass. Die Philosophie des Colourtragens unterscheidet sich jedoch grundlegend von jener der zahlreichen Freizeitclubs und bedeutet eine Lebenseinstellung für den Träger. Man kann getrost behaupten, dass die Colourszene eine "Szene in der Szene" ist.

      Seit der Gründung der ÖBU am 5. 8. 1995 sieht sich die offizielle Bikerwelt hierzulande mit Dingen konfrontiert, welche ihr vorher großteils fremd bzw. unbekannt waren. Dabei existiert die heimische Colourszene schon seit vielen Jahrzehnten.

      Allerdings wurde sie noch nie so öffentlich propagiert wie in letzter Zeit. Grund dafür war nicht zuletzt der explosionsartige Zuwachs an Colourclubs und der damit verbundene Effekt, schon fast in jedem Dorf "ein paar bunte Hunde" zu finden. Dies dient der Sache herzlich wenig.

      Viele dieser Newcomer-Clubs haben wenig bis gar keine Ahnung über Hintergrund und Sinn eines Colours. Man sieht diverse Colours bei einem Bikertreffen, ist eine Gruppe sich "schon ewig kennender Freunde" und schon passiert es: Ein Club wird gegründet und man braucht unbedingt ein eigenes Colour. Wozu? "Die anderen haben es ja auch!" - "Sieht doch urcool aus!"

      Nicht wenige verbergen ihre eigenen Schwächen im vermeintlichen "Schutz" eines Colours. Die Folgen sind immer öfters, dass manche glauben, aufgrund eines Colours den Bösen spielen und andere Biker bevormunden zu müssen.

      Selbst alteingesessenen Colourclubs ist dieses Gehabe mehr als nur ein Dorn im Auge, werden doch auch deren Werte damit in den Schmutz gezogen. Dies war auch ein Anlass zur Gründung der ÖBU, welche nach einigen Anfangsschwierigkeiten nunmehr doch konstruktive Formen angenommen hat.

      Das Colour wird nicht getragen, um sich zu profilieren oder am Wochenende auf irgend einem Treffen eine Show abzuziehen. Danach verschwindet es bis zur nächsten "Action" wieder im Kleiderschrank. Colourträger ist man immer oder gar nicht!

      Dazu kommt die Tatsache, dass "wahre" colourtragende Clubs ihre Anerkennung und Achtung nicht durch sinnlose Prügeleien und Repressalien erwerben, sondern vielmehr durch den Zusammenhalt mit anderen Clubs und vor allem durch die Achtung der so oft zitierten ungeschriebenen Gesetze eben dieser Colourszene.

      So ist es unbestritten, dass es für manchen Club besser wäre, auf das Colour zu verzichten, da die Gesinnung fern jener ist, welche dazu nötig ist. Das schadet dem Image der Colourszene und bringt im Endeffekt nur böses Blut. Genauso unbestritten ist es aber auch, dass es viele Clubs gibt, die es sich verdienen würden, ein Colour zu tragen. Diesen sollte man den Weg dazu ebnen, denn eine gesunde und gute Colourszene braucht auch entsprechenden "Nachwuchs".

      Es sollte sich jeder Club überlegen, ob und aus welchem Grund man ein Colour trägt oder tragen will. Freizeitspass als alleiniger Grund ist allemal zuwenig. Die ungeschriebenen Gesetze bedeuten auch, dass man sich daran halten sollte, das bedeutet nicht nur eine Szene in der Szene sondern auch eine Freiheit in der Freiheit.

      Ein gewisses Maß an Selbsteinschränkung, Einhalten vorgegebener Normen ist nicht jedermanns Sache und für Biker, welchen Colourtragen keine Lebenseinstellung bedeutet, auch nicht leicht nachvollziehbar.

      Secretary

    • Der Weg zum MC-Member

      Vom Freebiker zum MC-Member - grundsätzlich Clubsache, aber ein paar Gemeinsamkeiten gibt esauf dem Weg über Hangaround und Prospect, zwei wichtige Bestandteile eines MCs.

      Auch kritische Stimmen werden kaum leugnen können, dass zur Bildung eines Clubs die Gemeinschaft von immanenter Wichtigkeit ist. Der Weg zum MC stellt diese Gemeinschaft auf eine harte Probe.
      Viele scheitern daran, die meisten jedoch nur innerlich, denn nach außen entsteht eine Gruppe, die sich vielleicht sogar MC nennt.

      Warum jedoch auf Biegen und Brechen etwas schaffen wollen, was schließlich nicht einmal annähernd an das herankommt, was man ursprünglich wollte? Wer den als Teil seines Lebens, als Teil seines Selbst empfindet und diesen Ethos in einem Club leben möchte, dem steht auch der Weg in einen bestehenden MC offen.
      Schließlich ist es auch für einen MC von Interesse, geeignete Member als "Nachwuchs" zu bekommen.

      Der Weg vom Freebiker zum Member ist jenem eines MCs in die Clubszene sehr ähnlich. Auch hier kann man davon ausgehen, dass der Kontakt zur Szene bzw. zu einem speziellen MC über eine Zeit hinweg gewachsen ist. Schließlich entsteht der ernsthafte Wille zur Aufnahme in einen Club nicht durch plötzliche Eingebung.

      Liegt man auf einer Linie, wird man sich öfter im Clubhaus oder auf Partys usw. sehen und kennen lernen. Klar gibt es immer wieder Einfaltspinsel, die bei einem MC wie aus dem Nichts auftauchen und am liebsten gleich mit dem Colour am Rücken das Clubhaus wieder verlassen würden. Kein Kommentar!

      Der "Hangaround"

      In den USA war diese Phase des Kennenlernens früher eine Zeit, in der ein Freebiker dauernd vor dem Clubhaus "rumhing", er war ein "Hangaround". Rumhängen allein führt jedoch zu nichts, der Hangaround half bei Bedarf dem Club, wurde mal mit reingenommen und man lernte so einander kennen. Keine Bindung, lose, easy, ohne Verpflichtungen, klarerweise auch ohne Rechte.

      Heute ist der Hangaround ein üblicher Status auf dem Weg zum Member. Zwar bestehen nach wie vor beiderseits weder Rechte noch Pflichten, die Absicht am Clubleben teilnehmen und Member werden zu wollen ist aber deklariert und kann in der Hangaround-Zeit auch schon durch ein Patch kenntlich gemacht sein.

      Die Initiative dazu wird zumeist vom Freebiker kommen, schließlich kann's der MC ja nicht riechen.
      Es gibt aber auch MCs, die an den Freebiker herantreten.

      Wie auch immer, Member und MC sollten im Sinne einer zukünftigen Gemeinschaft jedenfalls einigermaßen in geografischer Nähe liegen.

      Der "Prospect"

      Bewährt sich der Hangaround während dieser Zeit der losen Verbindung (zumeist etwa ein Jahr) trotzdem eigentlich keine Pflichten bestehen nicht zuletzt auch durch Einsatz, Ehrlichkeit und Respekt, lässt er damit das vermuten, was sich der MC erwartet und bietet der MC andererseits das, was er sich erwartet, wird der MC den bisherigen Hangaround zum Prospect - zum "Bruder auf Zeit" - für wieder etwa ein Jahr ernennen.

      Zu erkennen kann dieser Status im Werdegang zB. bei einem dreiteiligen Colour durch den unteren Teil des Colours, den "Bottom Rocker", und den Aufnäher "MC" sein bzw. auch durch den eindeutigen Schriftzug "Prospect".

      Die Ansicht, ein Prospect wäre etwas Minderwertiges, der Putzlappen eines MCs oder so ähnlich, trifft auf die meisten MCs nicht zu. Diese Zeit soll ergeben, ob sich der Biker, der als Hangaround zum MC passte, auch als Bruder mit allen Pflichten eignet und nicht, ob er als Sklave taugt. Wenn wir bei Pflichten zB. an die regelmäßige Teilnahme an Clubabenden, die Mitarbeit bei der Vorbereitung von Parys etc. denken, wird klar, warum eine Mitgliedschaft bei einem MC in 150 km Entfernung nicht ganz einfach und der Erfolg fraglich sein wird.

      Manche MCs schaffen für diese "Anschlussmitglieder" den Status eines "Nomaden", hierzulande findet man den Begriff jedoch kaum.
      Mitglied zu sein bedetutet da zu sein - und das ist gut so.

      Ein Prospect bewährt sich dadurch, dass er an, in und für die Gemeinschaft des MCs arbeitet, den MC stärkt und sich als Bruder bewährt, der er auch ist, wenn auch auf Zeit. Was so hochtrabend klingt, gründet auf eigenem Empfinden und geschieht dann wie von selbst. Einem guten Prospect wird man nicht sagen müssen, was zu tun ist, er wird es sehen. Einem schlechten Prospect wird man es auch nicht sagen müssen, denn über kruz oder lang wird sich seine Mitgliedschaft einfach erledigt haben. Verstellen ist nicht!

      Der "Member"

      Wenn alle Member des MCs das Gefühl haben, dass aus dem Prospect, dem "Bruder auf Zeit", ein "Bruder für immer" geworden ist, bekommt dieser das durch die Übergabe des Colours bestätigt. Die Ernennung zum Member ist in jedem Fall ein Fest und soll auch ein unvergessliches Erlebnis sein.

      Manche MCs halten die Tradition der Taufe hoch, die zB auch recht feucht oder schlammig ausfallen kann, andere sind der Meinung, dass man einen zukünftigen Bruder nicht beferkeln soll, wie man ihn auch als Prospect nicht knechten kann und dann plötzlich als Bruder behandeln will.

      In jedem Fall sollte der Respekt vor dem Colour gewahrt sein. Der Ansicht, man solle sein Colour nicht durch den Dreck ziehen, wollen auch wir uns anschließen, ist aber Ansichtssache.

      Wie es nun weitergeht, ist endgültig in jedem Club verschieden: zB. ab wann ein Member ein Tattoo tragen darf, ab wann er eine Funktion im Club bekleiden kann usw.

      Blacky

    • Der MC - Die Funktionen

      Keine Hierarchie, sondern ein Finden und Zuordnen von Aufgaben ...

      Ein MC ist banal soziologisch betrachtet eine Gemeinschaft. Seit Urzeiten funktionieren Gemeinschaften nach denselben Wechselwirkungen zwischen jenen, die ein gewissen Bereichen das Sagen haben, und denen, die sich danach richten.
      Nun mag sich diese Beziehung nicht immer in Amtstiteln oder Dienstgraden niederschlagen, de facto ist sie aber vorhanden. So auch in einem MC, aber als Struktur, nicht als Hierarchie.

      Wir haben bereits den Unterschied zwischen "Rechtsgesetzen", die von einer Autorität festgesetzte, erzwingbare Normen darstellten, und "moralischen Gesetzen", die zB. aus der Tradition herausgebildet werden, dargestellt. Letztere formten und formen den Biker-Ethos, jene "aus der bewährten Tradition geltenden, nicht rational begründbaren Normen, welche die verantwortungsvolle Grundhaltung einer Gruppe prägen". Dies ist im Gegensatz zu Rechtsnormen nicht über Autorität durchsetzbar. Diese Nicht-Autorität - hier bewusst im Unterschied zu Anti-Autorität gebraucht - setzt sich im MC natürlich fort.

      Wir sprechen also absichtlich von einer Struktur der "Funktionen" im MC und nicht von "Positionen"!
      Es ist in unseren Augen keine Hierarchie, sondern ein Finden und Zuordnen der Aufgaben.
      Hierarchien haben auch immer etwas mit Vorgesetzten und Untergebenen zu tun, hemmen damit einerseits und stehen andererseits in krassem Gegensatz zum Freiheitsgedanken.

      In einem MC zählt jede Stimme gleich viel. So werden die individuellen Stärken der Member im Sinne der Gemeinschaft des MCs genutzt und dennoch ist sich jeder der Gesamtverantwortung für den Club bewusst, was Voraussetzung ist. Es wäre auch eigenartig, wenn ein Member diese Verantwortung nur "denen da oben" überlassen würde. Damit ist ein MC, in dem von Außenstehenden oft nur ein enges Regelkorsett gesehen wird, wesentlich weiter vom Diktat eines Führungskreises entfernt als so mancher Verein zur Förderung der Demokratie.

      Zu den Funktionen

      Ohne die oben verteufelte Hierarchie doch wieder darstellen zu wollen, beginnen wir beim Präsidenten. Manche nennen ihn auch President, Präsi, Presi, Pres oder Prez etc. Er ist aber weder der Herrscher noch eine reine Repräsentationsfigur. Er ist so etwas wie der Gesamtkoordinator. Über ihn laufen die Infos und Aktivitäten, er sitzt - ob allein oder nicht - in diversen Gremien wie der ÖBU und natürlich hat er gewisse Führungsaufgaben. Seine Stimme zählt jedoch wie jede andere. Keinesfalls ist er für alles zuständig oder allein verantwortlich. Das wäre zum Scheitern verurteilt.

      Die Funktion des Vizepräsidenten, auch Vice President, Vize, Vice usw. genannt, wird unterschiedlichst gehandhabt. Er vertritt jedenfalls den Präsidenten und kann im Falle eines Falles - zeitlich begrenzt oder unbegrenzt - seine Funktion übernehmen.
      Wir sehen eine weitere Aufgabe in der Zuständigkeit für die internen Belange eines MCs als Anlaufstelle für Fragen und Sorgen von oder auch Probleme zwischen Membern sowie im Clubleben.

      Der Sergeant at Arms ist eine Funktion, die zumindest offiziell nicht in jedem MC besetzt ist. In irgendeiner Form wird sie aber zumeist doch wahrgenommen. Er ist wie auch immer für die innere und äußere Sicherheit des Clubs verantwortlich, und das auch auf einem Fest im tiefsten Irgendwo um vier Uhr früh. Auf Festen des Clubs fallen ihm natürlich besondere Aufgaben zu und auch die Sicherheit des Clubhauses geht auf sein Konto.

      Der Secretary, Sekretär oder wie sonst noch genannte Meister der Worte ist der Club-Kontakt in Papier- oder elektronischer Schriftform und das nach außen und auch innerhalb. Er bereitet weiters Sitzungen vor, führt Unterlagen, pflegt Medienkontakte usw. Zu seinen Aufgaben kann auch der Internet-Auftritt des MCs gehören, was natürlich andere Anforderungen an sein Können stellt. Der Begriff "Web-Secretary" ist diesbezüglich schon aufgetaucht.

      Eine besondere und am besten angeborene Eigenschaft muss auch der Kassier oder Treasurer mitbringen: Geiz! Seine Funktion ist wohl jedem klar. Es muss extrem schwierig sein, ihm auch nur einen Silberling zu entlocken. Er ist aber nicht nur der Hüter der Finanzen, sondern auch verantwortlich für das Einbringen der Mitgliedsbeiträge und die treibende Kraft, wenn es darum geht, die Clubfinanzen zB. durch ein Fest wieder zum Leben zu erwecken.

      Der Road Captain oder Road Master ist verantwortlich für Clubbewegungen, also das zeitlich begrenzte örtliche Verändern. Seine Arbeit beeinflusst Ausfahrten, Touren, Cluburlaube u.A. entscheidend, denn er ist für die Routenwahl, Übernachtungen, das Planen der Pausen, die Organisation von etwaigen Begleitfahrzeugen, Tickets, Fähren, den Kontakt zu Reisebüros usw. verantwortlich.
      Wie bei allen Funktionen ist der Road Captain damit aber nicht alleingelassen, denn alle Member unterstützen ihn nach Kräften.

      Die Funktionen koordinieren die Arbeit aller (und arbeiten natürlich selbst mit). Teamwork ist in einem MC kein leeres Wort. Damit wird aber auch das (Fach-)Wissen über die einzelnen Bereiche auf breiter Basis gehalten. Sollte eine Funktion ausfallen, ist das Bestehen des Clubs nicht gefährdet. Eine MC-Eigenschaft, die viele Unternehmen erfolglos zu erreichen versuchen. Dies trifft übrigens auch auf das Erlangen der Funktionen zu. Allein der Club entscheidet nämlich, wer welche Funktion bekommt und dafür sind persönliche Eigenschaft und Einsatz interessanter als Dienstjahre oder "gute Kontakte". Wenn jemand keine Funktion erhält, es er deshalb auch nicht "geringer".

      Blacky

    • MCs und Frauen

      Ein heikles Thema. Und seit jeher auch ein heiß diskutiertes Thema.

      Zahlreiche Clubs nehmen - wie auch die MCs der Österreichischen Biker Union (ÖBU) - bekanntermaßen keine Frauen als Member in ihre Reihen auf. Mit unseren Co-Autoren aus den Reihen der ÖBU wollen wir uns nun an dieses Thema wagen, jedoch nicht als oberflächliche Proklamation der Fakten, das wäre zu billig. Aber auch eine Rechtfertigung der Sachlage ist nicht unser Ziel, denn das ist nicht nötig. Uns geht es hier darum, die gelebte Praxis zu erläutern.

      Die Tatsache, dass Frauen in einem MC nicht Mitglied werden können, bedeutet nicht, dass sie keine Rolle spielen. Im Gegenteil, Frauen verkörpern eine der tragenden Säulen eines MCs.

      Die Mitgliedschaft in einem MC streift man nicht ab wie ein T-Shirt oder lässt sie mit dem Bike vor der Türe stehen. Member zu sein greift auch tief in das Leben außerhalb des MCs ein und beeinflusst eine Partnerschaft oder das Familienleben nachhaltig.

      Umso schwieriger ist es, eine Partnerin zu finden, die das akzeptiert bzw. sogar unterstützt, denn jedes Entgegenwirken würde zum Scheitern der Beziehung führen. Nur Frauen, die 100%ig zu ihrem Partner stehen, können die dafür nötige Energie und Bereitschaft aufbringen und nur sie können beurteilen, was es bedeutet, eine Beziehung mit einem MC-Member zu haben: Clubabende, Arbeiten für Partys, Rallys Verpflichtungen in der Clubszene und viel Unvorhergesehenes stellen jede Partnerschaft auf eine harte Probe.

      Die Partnerschaft bzw. Familie eines MC-Members kann zeitweise fast ins Hintertreffen geraten. Anerkennung und Respekt gebühren jeder Frau, die sich hier einsetzt - ein Einsatz, der sicher an der freien Arbeit eines MCs nicht unwesentlichen Anteil hat.

      Beim Stichwort Arbeit drängt sich die Behandlung der zuweilen vertretenen Ansicht in den Vordergrund, Frauen dürfen natürlich in einen MC, aber nur zum Putzen. Abgesehen von dem erbärmlich chauvinistischen Beigeschmack müssen wir dem auch aus einem anderen Grund entgegentreten: Die weibliche Unterstützung bei den hausfraulichen Tätigkeiten in der Vorbereitungsphase von Festen oder Partys mag sich oft positiv auf die spätere Zufriedenheit der Gäste auswirken, die Sauberkeit des Clubhauses bzw. -geländes ist jedoch Sache des MCs - der Hangarounds, Prospects oder eben der Member selbst.

      Wenn nun aber Frauen eine so wertvolle Stütze des MCs darstellen, warum dürfen sie nicht Mitglied werden?

      Ein einfaches Beispiel: Eine Frau und ein Mann im Idealfall einer wunderbar funktionierenden Partnerschaft, beide sind Member in einem Club. Dann geht die Beziehung in Brüche und das meist nicht nach der "Gute-Freunde-Methode". Es werden sich zwei Lager bilden, die auch den Club spalten können. Die enge Gemeinschaft, das Wesen eines MCs, wird von innen aufgelöst.
      Aber auch, wenn das nicht passiert, wie geht's weiter? Bleiben beide im Club, laufen sie sich zumindest wöchentlich über den Weg. Schwierig!

      Beispiel zwei: Eine Frau ist Mitglied in einem MC, was ihr Leben genauso vereinnahmt, wie eingangs beschrieben: Clubabende, Parys, Rallys, oft auch über mehrere Tage. Akzeptiert das ihr Partner so ohne weiteres, dass sie mit ihren männlichen Membern soviel Zeit verbringt?
      Oder umgekehrt: Würden es die Partnerinnen der männlichen Member akzeptieren, wenn der MC weibliche Mitglieder hätte und der Club zB. für ein langes Wochenende an die Adria fährt? Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird sich zumindest ein gewisses "komisches Gefühl" eingestehen müssen.
      Damit wird eine Beziehung, die durch den Einsatz als MC-Member ohnehin stark gefordert ist, noch zusätzlich strapaziert.

      Der zwischenmenschliche Faktor von Liebe und Partnerschaft ist unvereinbar mit dem MC-Ethos, da Beziehungen zwischen Mann und Frau andere Wertigkeiten haben als ein MC. Der Biker-Ethos, jene nicht rational begründbaren Normen, welche unsere verantwortungsvolle Grundhaltung prägen, wurde in seinen Wurzeln aus einer Männergesellschaft gebildet, durch sie geformt und ist in ihr zur bewährten Tradition gewachsen. Er hätte sich nicht zu seiner heutigen Form entwickeln können, und weder Ethos noch MCs würden sich in diesem Sinne weiterentwickeln, wenn die Komplikationen partnerschaftlicher Beziehungen zum Tragen kämen.

      Diese Wechselwirkung ist natürlich nicht nur aus der Sicht der Männer erkennbar. Frauen, die sich zu Clubs zusammenschließen und keine Männer als Mitglieder akzeptieren, werden ähnliche Beweggründe haben und dies ebenso nicht aus einer simplen Ablehnung oder gar Geringschätzung des anderen Geschlechts heraus tun.

      Hömal 81 & Blacky

    • MCs und Polizisten

      Es gibt viele Kosenamen für sie,
      die (Damen und) Herren, die fast jedem Biker schon einmal auf die Nerven gegangen sind: Weit verbreitet ist wohl der Begriff "Bulle", den man angeblich sogar ungestraft verwenden kann, da so ein Bulle ja ein starkes, potentes Tierchen ist. Auch "Kieberer" hört man oft, was vom Kiebitzen kommt, dem geheimen Spähen. "Heh" ist ein Ausdruck, den man eher im Großraum Wien findet und seinen Ursprung im Wort "Höhe" hat, was einst den Polizisten auf dem (hohen) Pferd bezeichnete. "Schande" leitet sich vom Gendarmen her. Wie auch immer bezeichnet, sie müssen alle damit leben, dass die Tore der meisten MCs für sie verschlossen bleiben - als Member ohnehin und oft auch als Gäste.

      Zuerst räumen wir mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf: MCs verschließen sich nicht gegenüber Polizisten, weil gesetzeswidrige Handlungen den Alltag eines Clubs prägen!
      Auch wenn vielerorts versucht wird, die Szene zu kriminalisieren, ist das Wesen eines MCs keinesfalls im (mehr oder weniger) organisierten Verbrechen zu suchen. Nur weil die Werte, die dem Ethos des Bikertums zu Grunde liegen, nicht von jedermann verstanden werden, sind Außenstehende oft versucht, gleich alles pauschal als verdächtig einzustufen. Diese einmal vorgefasste Meinung wird dann leider zum Teil solange verfolgt, bis sich der Verdacht irgendwie bestätigt. Die Gefahr dabei ist, die uralte Gleichung "Colour = böse" aufleben zu lassen und die Szene insgesamt zu (vor)verurteilen.

      Das Sammeln von Informationen, deren Aufbereitung und Verdichtung sowie diese dann "an den Mann zu bringen", ist die Aufgabe, zu der sich Exekutivorgane verpflichten. Über kurz oder lang ergeben sich dabei Gewissenskonflikte zwischen der vom Verstand befohlenen Pflichterfüllung und dem vom Herz gesteuerten Wollen: einem Freund den Führerschein abnehmen, einen Verwandten anzeigen, einen Kollegen bestrafen.

      Je überzeugter und pflichtbewusster ein Polizist seine Aufgabe erfüllt und je stärker die Verbindung zum Gegenüber ist, desto größer ist der Konflikt. Eine der stärksten Verbindungen ist unzweifelhaft jene zwischen MC-Membern. Auf der anderen Seite verlangt die Polizeiarbeit, der Beruf als Buhmann der Nation um wenig Geld, auch wesentlich mehr an Überzeugung als zB. die eines Gelegenheitsarbeiters.
      Hier kann es unweigerlich zum beschriebenen Handlungskonflikt kommen, aber - und das ist der Punkt der Sache - ein Member, der gleichzeitig Polizist wäre, würde in einem Konflikt seiner Überzeugungen leben müssen. Und das funktioniert nicht.

      Zwei Beispiele

      In Deutschland wir zB. seitens der Gesetzgebuzng zum Halali geblasen und ein Club soll gleich bundesweit von der Bildfläche verbannt werden. Wie soll das nun funktionieren, wenn unter den Membern Polizisten sind? Ziehen die dann frewillig ihr Colour aus und nehmen ihren Brothers die Colours ab? Oder setzen sie sich gegen ihre Kollegen zur Wehr, die ihren Auftrag auszuführen haben?

      Oder:
      Ein MC-Member, angenommen er wäre Polizist, plant den Besuch eines Treffens, was ihm ein Einsatzbefehl leider vereitelt - ein Einsatzbefehl für eben dieses Bikertreffen. Nun könnte er diesen Einsatz wegen Befangenheit ablehnen. Dass dies eine reelle Alternative ist, möchten wir aber anzweifeln. Schließlich kann er nicht immer absagen, wenn er sich seiner Berufung folgend Richtung MC-Szene in Marsch setzen sollte. Ergreift er nun die Uniform und begibt sich zum Treffen? Das wird Veranstalter und Gäste kaum erfreuen, wenn der Biker, der gerade noch im Clubhaus zu Gast war, in Uniform kommt und "amtshandelt". Der Konflikt unvereinbarer Ideologien ist nicht wegzudiskutieren.

      Unbestritten ist also die Unvereinbarkeit des Polizistentums mit der MC-Mitgliedschaft, mit "the one percent that doesn't fear or care" oder etwas freier formuliert gilt im MC: "A Kieberer is ka Haberer."

      Hömal 81 & Blacky

    • Die Entwicklung der österreichischen MC-Szene

      Wir haben intensiv recherchiert, in Erinnerungen gegraben und mit einigen "Urgesteinen" gesprochen, um die Wurzeln des österreichischen Bikertums und der österreichischen MC-Szene zu finden, als Teil einer weltweiten Kultur.

      Die Biker-Ausschreitungen in Hollister anno 1948 werden von vielen als Geburtsstunde des Bikertums bezeichnet. Die Sensibilität der Amerikaner, was Alkohol und Pinkeln in der Öffentlichkeit angeht, war für uns Europäer nie nachvollziehbar. Auch aus damaliger Sicht war es keine Tragödie, also warum der Aufruhr?

      Neben dem "Ö 7" der Bikertreff der 70er Jahre in Wien: das Espresso WestNach Ende des Krieges waren reißerische Meldungen rar, also wurde die ganze Geschichte ausgeschmückt, mit getürkten Fotos garniert und verbreitet. Das Interesse der nach Sensationen hungernden breiten Öffentlichkeit an diesen "Motorradfahrern" war damit geboren und gleichzeitig auch das Bild des Bikers.

      Aus dieser Quelle sogen auch andere Medien ihre Themen. Dazu gehörten die Filme "The Wild One", "Easy Rider" und "Hells Angels '69" (der bei uns sinnigerweise als "Hells Angels '70" lief), um nur einige Highlights aus zahlreichen Bikerfilmen zu nennen, viele davon minderwertige B-Movies.
      Die Filme kamen über den großen Teich und transportieren nicht nur Action und Crime, sondern auch die Idee dahinter, die Botschaft. Damit legten sie in vielen Gehirnen den Grundstein für so manches Bikerleben.

      Doch was passierte zu dieser Zeit in Österreich?

      Das meiste tat sich in Wien und Vorarlberg. Anfang der 70er, als "Devils Advocats MC" gegründet, brachte dieser MC bereits 1975 die Farben der Hells Angels nach Österreich, respektive Vorarlberg. Der Kontakt zum Züricher HA-Charter als ältestes am europäischen Festland (seit 1970) tat sicher das seine für diese frühe Entwicklung in Vorarlberg.

      In Wien waren in den 60ern noch die markenbezogenen Fahr- und Freundschaftsgemeinschaften aktuell. Namen wie "Triumph Club" und "Norton Club" klingen noch heute im Ohr und die "alten Hasen" aus der Wiener Bikerszene wissen, dass diese Zusammenschlüsse bereits über den Begriff "Fahrgemeinschaft" hinausgingen.
       

      Satans SerpentsRebels

      Anfang der 70er wurden von einigen Mitgliedern dieser Gemeinschaften die damals revolutionären und neu auf dem Markt erschienenen Hondas als Eigenimport nach Wien gebracht und der "Honda Club" gegründet.

      Parallel dazu entwickelte eine kleine, aber brüderlich gefestigte Gemeinschaft ihre Liebe zum MC-Tum. Von Biker- und Clubleben fasziniert und die Aktionen der Hells Angels in den USA bewundernd, gründete sich aus der Moped-Gruppe "Devils" (1973) und später "Young Angels" (1975) der "Satans Serpents MC" (1976). Es war der erste MC mit Full-Colour und den heute bekannten MC-Strukturen in Wien.

      Peter Platzer, Wiener Bikerlegende der 70er Jahre, R.I.P. 2001Aus den Hardlinern des Honda-Clubs, der bis heute besteht, formierte sich 1976 ein Colour-Club namens "A Place in Hell". Seine Member wurden von dem bereits zu Lebzeiten zur Legende gewordenen Peter Platzer geleaded. Als sein Club versuchte, mit den Hells Angels in Zürich persönlich Kontakt aufzunehmen, kam es zum Desaster. Nicht nur der Name mit dem Inhalt "Hell" war der Stein des Anstoßes, vielmehr war es das Patch selbst: Es zeigt einen, dem Original sehr ähnlichen Totenkopf mit Flügeln und zum Missfallen aller durchstieß ein Messer diesen Death Head.

      "A Place in Hell" gab es ab dem Zeitpunkt des Kontakts mit Zürich nicht mehr, aber einige Member gründeten danach den "Scampers MC". Der Rest - unter ihnen auch Peter Platzer - fuhren noch viele Jahre zusammen, trugen aber nie wieder ein Colour.

      In all diesen Turbulenzen gründete sich ein weiterer anerkannter MC, die "Vikings".

      VikingsGegen Ende der 70er ging es dann so richtig los. Speziell der eingangs erwähnte Film "Easy Rider", der eigentlich kein Biker-Film ist, sondern nur seine Geschichte im Biker-Milieu ansiedelt, löste eine Welle der Nachahmer und Trittbrettfahrer aus. Jeder Einspurige wollte plötzlich das Gefühl der großen Freiheit erfahren und rottete sich mit Gleichgesinnten zusammen.

      Der Wildwuchs begann um sich zu greifen und die bereits damals sehr ausgeprägte Ideologie der anerkannten MCs wurde mit Stiefeln getreten. Die "alteingesessenen" MCs hatten einiges zu tun, um dieses Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch es gelang und neue Clubs entstanden: die "Rebels", anfangs etwas bockig in der Szene, aber das Herz am rechten Fleck, die "Highway Devils" und nach Differenzen wegen der Farben Rot-Weiß der "Outsider MC".

      HOG Fucker war kein MC sondern wurde als Einzelcolour von "Rocker-Pauli" getragen.In den frühen 80ern hatten einerseits die Wiener Clubs noch einige Entwicklung im Miteinander vor sich, andererseits hatte der "Satans Serpents MC" bereits kurz nach dem Zürich-Besuch der "A Place in Hell" mit den "Hells Angels" in der Schweiz Kontakt aufgenommen und Beitrittsabsichten deponiert. Es sollte aber noch bis 1982 dauern, da logischer Weise Vorarlberg für Wien zuständig war und somit der Kontakt und die Freundschaft erst gepflegt werden musste, bis der "Satans Serpents MC" Prospect-Carter des "Hells Angels MC" wurde.

      Das Jahrzehnt von 1980 bis 1990 war geprägt von Turbulenzen, Unstimmigkeiten und oft auch Misstrauen unter den MCs. Die Gerüchteküche brodelte laufend und Verunsicherung machte sich breit. Als 1985 der ehemalige "Satans Serpents MC" als Mitglied in die große Familie des "Hells Angels MCs" aufgenommen wurde, sank die Stimmung in Österreich auf den Nullpunkt.

      Vienna Biker Fest in der Arena Da sich viele Gerüchte bis in die 90er hartnäckig hielten, entschlossen sich die "Hells Angels Vienna" zu einem vereinenden Vorstoß in der Biker-Szene. Bereits 1982 hatte es eine kleine Bike-Show in der Wiener Arena gegeben. Dieser Gedanke wurde wieder aufgenommen und der "Outsider MC" konnte von den "Hells Angels" für ein gemeinsames Vorhaben gewonnen werden. Dieses Projekt sollte an Größe und Perfektion alle bisherigen Veranstaltungen in den Schatten stellen und der österreichischen Szene zeigen, dass zwei Clubs, um die sich immer wieder Gerüchte rankten, miteinander ein Event organisieren können.

      So wurde 1991 gemeinsam die 1st Vienna Bike-Show "Chrom & Musik" veranstaltet, zu der jeder Club auch mit seinem Colour anreisen konnte.
      Diese Regelung ist bis heute aufrecht: Es ist nach wie vor trotz des Colour-Verbots für auswärtige Clubs möglich, zu großen Events von Wiener MCs wie dem Vienna Memorial, der Tatoo Convention usw. am direkten Weg zu und von der Veranstaltung das Colour zu tragen. Eine weitere Ausnahme besteht für die Toy-Run als langjährige, etablierte Benefizveranstaltung. Alle anderen Veranstalter, die ihre Gäste mit Colour anreisen lassen wollen, sollten vorher mit den Wiener Clubs Kontakt aufnehmen.

      Viele Clubs und Veranstalter orientierten sich an der Vienna Bike-Show, die 1991 bis 1993 drei Mal abgehalten wurde, und begannen Bike-Shows in diesem Stil zu organisieren. Dies wiederum bewirkte einiges am Weg zum Miteinander in Österreich.

      So konnte es auch nicht ausbleiben, dass die Entwicklung einer gemeinsamen Gesprächsebene der österreichischen MCs ihren Tribut forderte. Die Mitte der 90er bereits extrem unbeliebten "Präsi-Rallys" wurden ad acta gelegt und eine neue, effiziente Plattform für Österreichs MCs wurde von Österreichs MCs gegründet: die Österreichische Biker-Union (ÖBU).

      Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte war gesetzt. Da sich die ÖBU als Arbeits- und Kommunikationsplattform versteht, entstehen alle Entwicklungen aus den auf dieser Plattform agierenden MCs, wobei selbstverständlich auch die Kontakte zu nicht der ÖBU angehörenden Clubs gepflegt werden.

      So ist bis zum heutigen Tag eine gesund gewachsene MC-Szene das Resultat jedes einzelnen, der seit den frühen Tagen (oder "jugendbedingt" erst seit kurzem) am Gemeinsamen mitarbeitet.

      Viele, die diese kurze Chronologie gelesen haben, werden sich in der Geschichte der österreichischen MC- und Biker-Szene wieder finden, als Teil eines Ganzen und das über viele Jahre hindurch. Denn es gibt selten eine Szene, in der Freundschaften und Kontakte so lange halten, wie in der unseren.

      Hömal 81 & Blacky
      Fotos von 1976 und 1982 aus dem Archiv H.A.M.C. Vienna

    • Der allgemeine Gebrauch von Motarrad-clubs im Wortschatz ist eigendlich immer sehr primitiv, aber keiner weiß eigendlich was es bedeuted wirklich dazu zu gehören... Da gehört nich nur die Aufnahme dazu, das ganze leben richtet sich nach dem Club. Wenn Du Dein Leben von vornerein nach diesen "Gestzen" ausgerichtet hast oder nach diesem Lebensstiel, brauchst Du nicht so lange dazu, die Szene zu verstehen... obwohl das als"Neuer" sicher sehr schwierig ist.
      Ich weiß nich, ob ich das in diesem Forum so abschicken kann, oder ob mich gleich jeder dafür hasst.... Wir werden sehen... Schaun wir mal...